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Ortsrundweg Kluftern

Aus Bürgerwiki Bodensee

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Der Ortsrundweg Kluftern  (siehe Ortsrundweg ) ist ein Projekt, das auf Initiative Klufterner Künsterinnen und Künstler unter "Kunst in Kluftern KiK" 2003 entstanden ist und in Verbindung mit der Lokalen Agenda 21 Kluftern, des Landschaftsparks Bodensee-Oberschwaben, des OberschwabenKunstwegs, des BodenseeKulturraums und des Geschichtspfads Friedrichshafen weiter entwickelt wird.

Inhaltsverzeichnis

Geschichtspfad 1

(siehe Ortsrundweg.de)


Geschichtspfad 2

(siehe Ortsrundweg.de)

                               --> hier zur Geschichtstafel 8.3: Datei:8.3 Mühle.pdf

                                --> hier zur Geschichtstafel 8.4: Datei:8.4 Eisenbahn Kluftern.pdf

                                --> hier zur Geschichtstafel 8.5: Datei:8.5 Zugunglück.pdf

                                 --> hier zur Geschichtstafel 8.4 Bomber: Datei:8.4 USA Bomber.pdf

                                  --> hier zur Geschichtstafel 8.6: Datei:8.6 Totenweg.pdf

                                   --> hier zur Geschichtstafel 8.7: Datei:8.7 V2.pdf

                                    --> hier zur Geschichtstafel 8.8: Datei:8.8 V2.pdf

Von der St. Gangolf Kirche nach Lipbach

Dieser Spaziergang führt uns von der Klufterner Pfarrkirche St. Gangolf auf einer nördlichen Runde nach Lipbach und zurück. Der Weg ist abwechslungsreicher Kunst-, Natur- und Geschichtspfad zugleich. Es ist ein Weg durch die Dorfgeschichte zurück bis ins Mittelalter, vorbei an Legenden erzählenden Orten und schönen alten Gebäuden. (Der Beitrag basiert auf der Wegbeschreibung von Bernd Caesar in "Friedrichshafen - Stadtgeschichtliche Rundgänge", Schriftenreihe des Stadtarchivs Friedrichshafen, Bd.5)

Dauer: ca. eine Stunde Gehzeit (Nordrunde bis zum Totenweg und zurück zur St. Gangolf Kirche)
Mit dem Fahrrad ist die Nordrunde bis auf einen 250 Meter langen Abschnitt, auf dem das Rad geschoben werden muss, sehr gut zu befahren.
Ausgangspunkt: Rathausplatz Kluftern

Kluftern Rundweg Nord 1-8.jpg
Rundweg-Plan mit interessanten historischen Wegmarken, im Text  markiert in ()

Der Rathausplatz, direkt gegenüber der Pfarrkirche St. Gangolf (1) mit ihrem 1975/76 wiederhergestellten Zwiebelturm gelegen, ist der ideale Ausgangspunkt für einen Gang durch die Klufterner Geschichte. Der Platz markiert die historische Keimzelle Klufterns, erstmals durch eine Urkunde im Jahr 764 n. Chr. bezeugt. Kein „-ingen“, „-ach“ oder „-au“ schmückt den Ortsnamen wie bei Sipplingen, Stockach oder Leimnau. Denkbar ist ein keltischer Ursprung des Ortsnamens, was auf eine Geschichte lange vor der christlichen Zeit hinweisen könnte. Eingerahmt zwischen den beiden Bächen Brunnisach und Lipbach liegt auf einem kleinen Siedlungshügel ein Hofgut mit einer Kapelle – wie schon frühmittelalterliche Urkunden belegen. Durch Verträge mit dem starken Kloster St. Gallen versuchen sich in dieser Zeit die Alemannen am Nordufer des Bodensees vor den Franken zu schützen. So auch Theotram, der Besitzer des Hofgutes Kluftern, der alles, was er besitzt, Häuser, Gesinde, Bäche, Felder und Wälder, im Jahr 764 dem Kloster überträgt, allerdings den Hof weiter bewirtschaften will und dafür eine Pacht zahlt. Mit dieser Schenkung will er für sich und für seine Mutter das Seelenheil erhalten. Die Hofkapelle wird später zur Kirche St. Gangolf ausgebaut.

K-Foto 1 Kluftern Kühnle mit Text.jpg


"Kirche, Rathaus, Schule und Bank. Trotz vieler Neubauten zeigt die Nachbarschaft dieser Institutionen in der Ortsmitte  noch heute die alten Ordnungs- und Machtverhältnisse.






An der Kirche St. Gangolf (1) aus dem Jahre 1627 sind alle Modewellen späterer Stilepochen wie Klassizismus, Neugotik und Moderne vorbeigezogen. Kluftern fehlte einfach das Geld für Umbauten. So betritt der Besucher eine barocke Dorfkirche in ihrem ursprünglichen Glanz. Als nach dem 2. Weltkrieg die Einwohnerzahl Kluftern stark anstieg, wurde der Bau einer neuen Kirche notwendig, die ohne die alte Barockkirche zu stören an diese angefügt ist.

K-Foto 2 b Kirche 0011.JPG
K-Foto 3 Gangolf2005 0308AR.JPG
Kirche St. Gangolf (Sicht auf die alte Barock-Kirche)
Innenansicht der Barockkirche mit Blick zum Altar
K-Foto 4 Epithaph Kirche St. Gangolf.jpg
Vereinsarchiv Arbeitskreis Heimatgeschichte Kluftern / Klaus Wessenberg
Epitaph des Kirchenstifters (1627) Freiherr Wolfgang von Ratzenried
      Geschnitzte Kreuzweg-Tafeln ( Tirol 1905)


Der Orts-Rundweg führt hinter der Kirche in Richtung Riedheim an einem unscheinbaren Häuschen (links) vorbei: Es handelt sich hierbei um die Klufterner Viehwaage, die bis 2006 in Betrieb war.

K-Foto 6 Kluftern2006 0726BI.JPG







Unmittelbar danach, von der Brunnisach-Brücke aus, sieht man ein kleines Wehr. Hier beginnt der viele Jahrhunderte alte Mühlenkanal zur ca. 800 Meter abwärts gelegenen historischen „Geigermühle“ (weitere Erläuterungen siehe unten).

Auf der linken Seite nach der Brücke grüßt das erste Kunstwerk am Wege, das "Tor zum Nächsten" am Ortsrundweg

 Wir folgen der Straße durch die Felder. Kurz vor der Bahnunterführung lockt ein großer blauer Bogen – eines der Kunstwerke am Ortsrundweg – den Wanderer hinüber zum Bach. Eine Badende auf dem Bogen kann als Hinweis auf die Zeit gedeutet werden, als noch die Bademulden im Bach die Schwimmbäder für die Kinder im Dorf waren. (siehe Ortsrundweg )

K-Foto 7 a 2006 07 30 Blauer Bogen0003 ausschnitt.jpg „Brunnisach" (Kunstwerk am Ortsrundweg) mit einer Badenden

Unter der Bahn hindurch am Ende des Wäldchens rechter Hand macht eine Geschichtstafel auf den Abschuss eines US-amerikanischen Bombers (2) im Jahr 1944 aufmerksam. An dieser Stelle wurden die gefallenen Soldaten beerdigt. Rund um Kluftern gab es starke Flak-Stellungen und in der Nacht leuchtende Scheinfabriken, um Luftangriffe auf das im nahen Wald gelegene „V2“-Prüfgelände und auf die Friedrichshafener Rüstungsbetriebe abzulenken und abzuwehren. Trotz der Nähe der Ortschaft zu militärisch wichtigen Zielen blieben Klufterner Häuser von direkten Bombentreffern verschont.

K-Foto 8 Lettenhof1 16 05 2004.JPG Ehemalige Ziegelei Lettenhof  K-IMG 0581 j.JPG Seit einigen Jahren von März bis August brüten und ziehen Störche hier ihre Jungen auf  

Der Ortsrundweg verlässt die Straße beim „Lettenhof“ (4), Teil einer ehemaligen Ziegelei aus dem 19. Jahrhundert, heute renoviertes Wohnhaus. Kleine Ziegeleien gab es bis Mitte des 19. Jahrhunderts in fast jedem Dorf. Wenn nicht, so kamen wandernde Ziegelbauer in die Ortschaften, errichteten primitive Brennöfen und deckten für eine Weile den jeweiligen Bedarf. Unser Weg biegt hinter dem Haus nach links ab zu einer Holzbrücke. Diese wird durch zwei im Jahr 2006 gepflanzte Weidentore geschmückt und markiert – ein weiteres Kunstwerk am Ortsrundweg, das noch wachsen darf. Tafeln des Bodenseepfades machen auf das hier neu angelegte große Biotop und die Renaturierung der Brunnisach aufmerksam. Es handelt sich dabei um eine Ausgleichsmaßnahme für die Zerstörung eines wertvollen Sumpfwaldgebiets zur Anlage eines Zeppelin-Ankerplatzes am Friedrichshafener Flughafen.

K-Foto 9 D UnglückZugZeller3.JPG Zugunglück von 1939 mit über 100 Toten
Unmittelbar hinter der Bahnunterführung biegt der Weg nach rechts ab und begleitet als Wiesenpfad die Bahntrasse in Richtung Lipbach und Markdorf. Nach wenigen Metern erreicht der Weg die Unfallstelle (5) eines der schwersten Zugunglücke der deutschen Eisenbahngeschichte (Zugunglück). Am 22. Dezember 1939, nachts um 22 Uhr 19, stießen auf der eingleisigen Bahnstrecke zwischen Markdorf und Kluftern, bei dichtem Nebel, ein voll beladener Güterzug und ein gut besetzter Personenzug frontal und ungebremst aufeinander. Der Aufprall der Dampf-Lokomotiven glich der Explosion einer Bombe und war bis nach Fischbach zu hören. 106 Menschen mussten ihr Leben lassen. (Zum Vergleich: Beim ICE-Unfall von Eschede im Jahr 1998 waren 101 Tote zu beklagen.) Im Personenzug, einem Sonderzug aus Oberstdorf, saßen Einwohner aus Weil am Rhein und Umgebung, die zu Beginn des Zweiten Weltkriegs ins Allgäu evakuiert worden waren und sich nun – kurz vor Weihnachten – auf die Rückkehr in die Heimat freuten. Die Fahrdienstleiter in Markdorf und Kluftern hatten die Signale für beide Züge auf freie Durchfahrt gestellt. Die Toten wurden vom nationalsozialistischen Gauleiter Seybold bei der Trauerfeier in Markdorf zu Kriegsopfern erklärt, die für das „Lebensrecht des Deutschen Volkes“ gestorben waren. Der Rundweg erreicht nun das Wohngebiet „Im Häldele“ mit dem Gedenkstein für die bei dem Zugunglück ums Leben Gekommenen.
 

K-Foto 10 G 41n Vom Kirchturm h k.JPG Trauerfeier in Markdorf

Um zwei interessante Objekte der Ortsgeschichte anzusteuern, gehen Geschichtsfreunde abweichend von den Rundweg-Schildern die Straße zwischen den Häusern hinunter bis zur Hauptstraße, überqueren diese und stehen vor einem denkmalgeschützten Bauernhof, dem Bauernhaus Schmid (5). 1906 zerstörte ein Großbrand drei Bauernhäuser samt Stallungen und Scheunen im nahe gelegenen Lorenzweg. Die Familie Schmid baute 1907 den Hof an dieser Stelle wieder auf. Es ist ein typischer Linzgau-Hof mit Wohnhaus, Stallungen, Scheune und Remise unter einem Satteldach. Das Besondere an diesem Haus ist allerdings die Giebelseite. Wie bei einem Stadthaus hat es hier seinen Haupteingang. Zahlreiche Verzierungen prägen diese Hausfront: Unterschiedlich farbige Ziegel geben Struktur, leicht nach oben abgerundete Fenstergewände und drei Rosetten im oberen Teil schmücken das Bauernhaus.


K-Foto 11 aBauernhaus0003.JPG Denkmalgeschütztes Bauernhaus Schmid erbaut 1907

Ein Blick nach rechts zeigt uns eine Eisenbahnbrücke. Im Jahr 1901 erreichte der erste Zug Kluftern an der neuen Bahnstrecke (6) von Überlingen nach Friedrichshafen. Beendet waren dreißig Jahre Streit um eine Bahntrasse, die durch das Großherzogtum Baden sowie die Königreiche Württemberg und Bayern führen sollte. Drei Staatsverträge mussten geschlossen werden, bis endlich der Bau beginnen konnte. Meist Italiener und Kroaten arbeiteten auf den Baustellen in Kluftern. Nach einem Streik der Italiener wurden diese durch Arbeiter aus der Steiermark ersetzt. Die Vermieter von Arbeiter-Unterkünften erlebten einen kurzzeitigen Boom. Der Lipbacher Landwirt Adolf Schmid aus dem Lorenzweg schrieb damals in sein Hausbuch: „Wir haben das Haus des Knechts Ignatius voll mit Italienern. Monatlich um 20 Mark Hauszins.“ Es muss für die Einwohner von Kluftern, Lipbach und Efrizweiler eine aufregende Zeit gewesen sein, in welcher eine Großbaustelle das kleine Dorf umgab und viele Fremde anzutreffen waren. Allerdings war die Bahnanbindung dringend geboten, weil der Postkutschenbetrieb nach Markdorf wegen zu schlechter und enger Straßenverhältnisse von den Behörden abgelehnt wurde.


K-Foto 12 Lipbach Brückenbau 1900.JPG Bau der Eisenbahn 1900

Der Rundweg führt wieder zurück in Richtung Kluftern, geht rechts von der Hauptstraße in den Lorenzweg, vorbei am Bauernhof Gröber – nach dem Brand ebenfalls 1907 neu gebaut – und dann weiter nach links zur Lipbacher St.-Laurentius-Kapelle.

K-Foto 13 Kapelle Laurentius .JPG
K-Foto 14 Laurentius.jpg
Kapelle St. Laurentius Lipbach
Hl. Laurentius


 Im Jahr 990 n. Chr. vom Konstanzer Bischof geweiht, zählt die Kapelle St. Laurentius (7) zu den ältesten sakralen Bauwerken im Linzgau. Das Kirchenschiff mit seinem schlichten Rechtecksaal dürfte noch aus dieser Zeit stammen, der Turm wurde später (etwa im 12. Jahrhundert) seitlich angefügt. Eine spätgotische Holzfigur des Schutzpatrons Laurentius mit dem Rost in der Hand – dem Symbol für die Folter und Verbrennung des Heiligen auf einem glühenden Rost in Rom im Jahr 258 – steht in einer Nische an der Längswand der Kapelle auf der Turmseite.

Der Altar wird eingerahmt von zwei spätgotischen Figuren. Auf der linken Seite des Altars steht die heilige Katharina, rechts der heilige Nikolaus mit drei Goldkugeln, die er der Legende nach drei armen Jungfrauen zur Eheausstattung schenkte. Unser oberschwäbischer Nikolaus hält allerdings, wie sollte es anders sein, drei (Bodensee-?) Äpfel in der Hand. Der Barockaltar selbst wird von einer sehr beachtenswerten, gotischen Madonnenstatue aus der Zeit um 1420 geschmückt, einem Meisterwerk der schwäbischen Bildschnitzerkunst.

K-Foto 15 Altar Laurentius.jpg  Blick auf den Altar der Kapelle St. Laurentius



Werfen wir nun noch einen Blick vor die Tür der Kapelle. Als „Fußstapfen des heiligen Laurentius“ wird einer von mehreren Eindrücken in einem Stein, der rechts neben dem Eingang der Kapelle aus dem Boden ragt, bezeichnet. Dieser fußähnliche Abdruck soll der Sage nach von einem Glaubensboten herrühren, der zur Verkündigung des Evangeliums diesen Stein bestieg. Noch bis etwa 1860 fanden am Fest des heiligen Laurentius (10. August) große Wallfahrten aus der ganzen Umgebung statt. Ein hiesiger Pfarrer schrieb um die Jahrhundertwende, dass Mütter ihre Kinder, welche das Gehen nicht lernen wollten oder konnten, auf besagten Stein setzten, damit sie von ihrem Gebrechen geheilt würden. Eine Lipbacher Bürgerin weiß heute noch zu berichten, wie ihre Schwester in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu dem Stein gebracht wurde; leider vergeblich, sie blieb ihr Leben lang gelähmt.

Machen wir noch einen kleinen Abstecher hinunter über die Hauptstraße weiter den Pfad zwischen den beiden Bauernhöfen hindurch zum Lipbach-Brückle. Seit 2006 ziert dieses ein Werk der jungen Künstlerin Julia Briemle, die Comics malt und ausgestaltet. Sie hat die Legende von der wundersamen Heilung am Stein der Laurentius-Kapelle in ihre Künstlersprache umgesetzt. (siehe Ortsrundweg )


K-Foto 16 2006 08 26 Tor Fantasie0009.JPG Tor zur Fantasie mit Motiven der Legende um die heilende Wirkung des Steins bei der Kapelle

Wieder auf der Hauptstraße angelangt, geht es zurück zum Ausgangspunkt, der Kirche in Kluftern. Auf diesem Weg, noch vor den Hochhäusern in Lipbach, biegt rechts der Tannenriedweg in eine Wohnsiedlung aus den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts ab. Die Gemeinde wollte den Bewohnern dieser Siedlung den alten Namen des Weges nicht zumuten, der nämlich „Totenweg“ (8) lautete. Noch heute ist in den Wanderkarten dieser Weg über die Felder nach Bermatingen als Totenstraße eingezeichnet. Bis Kluftern im Jahr 1627 eine eigene Pfarrei bekam, mussten die Toten auf dem Friedhof der Mutterpfarrei Bermatingen beerdigt werden. Bei jeder Witterung mussten sie zur Bestattung zum Friedhof nach Bermatingen gefahren oder getragen werden, so dass sich die Kluftinger beschwerten: „(...) und letztlich wie verkhümberisch ond müeselig wir die Todten Leichnamh von haus aus nach Bermatingen füren ond schlaiffen muessen“.

Für diejenigen unter den Geschichtsfreunden, die Weiteres über die Geschichte Klufterns erfahren wollen, empfehlen wir folgenden zusätzlichen historischen Pfad durch die südlich gelegenen Teile der Ortschaft: Eine Wanderung von der Kirche hinunter zu den Sportanlagen an der Brunnisach und dann den Bach abwärts bis zur historischen Mühle (gutes Schuhwerk ratsam).

Die Mühle ist seit 1886 im Besitz der Familie Geiger und wird daher die Geiger-Mühle (9) genannt. Sie steht auf einem historischen Siedlungsplatz, der bereits im Mittelalter genutzt wurde. 1413 wurde die Mühle erstmals im Lehenbuch des Klosters St. Gallen urkundlich erwähnt. 1880 brannte die alte Mühle ab. Noch im gleichen Jahr wurde das neue, heute unter Denkmalschutz stehende, Mühlengehöft erbaut. Der Mühlenbetrieb mit Getreide- und Sägemühle wurde 1973 eingestellt. Die Einrichtung ist noch vollständig erhalten. Die Mühle befindet sich in Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden.

 

K-Foto 17 Kluftern Mühle 1989.JPG
K-Foto 18 Mü Geiger23.jpg
Die Geigermühle idyllisch gelegen in der Brunnisach-Aue
Die Mühleneinrichtung ist noch vollständig erhalten


Von der Geigermühle aus führt der Weg weiter zur Hauptstraße, dann durch die Bahnunterführung, danach links hoch zum Klufterner Bahnhof (10). Das Bahnhofsgebäude wurde 1901 gebaut, wie die gesamte Bahnstrecke von Überlingen nach Friedrichshafen. Die alte Lagerhalle des Bahnhofs beherbergt heute den Klufterner Jugendtreff. Links neben dem Gebäude, am Weg zur 2005 neu eröffneten Haltestelle der Bodensee-Oberschwaben-Bahn, liegt ein Stein, in dem ein badisches Wappen mit der Jahreszahl 1901 eingraviert ist und der aus der Zeit der Bahneinweihung stammt.
K-Foto 19 H Erster Zug 1901.JPG 1901 erreicht der erste Zug Kluftern

Zurück zur Hauptstraße führt der Weg nach Efrizweiler. Das Schloss in Efrizweiler (11) beherbergt heute eine Gaststätte mit modernen Gästezimmern. Im Gastraum kann man noch die alten, 1,80 Meter dicken Mauern bewundern. Die großen Gewölbekeller dienen heute als Veranstaltungsräume. Früher war hier der Weinkeller, später, um 1900 herum, der Braukeller für das Bier untergebracht. Hinter dem Schloss wurde im Winter in Eisweihern Eis geschnitten und im Keller eingelagert. Im Zweiten Weltkrieg dienten die Gewölbekeller der Bevölkerung als Luftschutzkeller.

K-Foto 20 Fachwerkhaus Efrizweiler 5117.jpg Fachwerkhaus in Efrizweiler, im Hintergrund das Schloss

Der Weiler mit seinem Schloss wird erstmals im Jahr 1166 n. Chr. urkundlich erwähnt. Ritter Efrid gibt ihm um 1277 seinen Namen. Später wird daraus Efrizweiler. Aus dieser Zeit stammt der erste rechteckige Wohnturm aus Findlingen mit seinen mächtigen Mauern. Zum Schloss gehörten eine Scheune, Stallungen, ein Torkelgebäude, ein Back- und Waschhaus, Rebgärten, Ackerland, Wiesen und umfangreiche Waldungen. Im Laufe der Jahrhunderte hatte das Schloss viele Besitzer. Einer der bedeutendsten war Freiherr von Ratzenried, der sich mitten im Dreißigjährigen Krieg erfolgreich für den Bau der Kirche in Kluftern einsetzte und Kluftern mit Efrizweiler 1626 zu einer eigenen Pfarrei vereinte. Er selbst verlor jedoch durch den Krieg seine Stammburg im Allgäu und starb völlig verarmt noch in der Kriegszeit. Mit dem Um- und Ausbau durch die Fürstlich Fürstenbergische Grafschaft Heiligenberg im 19. Jahrhundert begann im Schloss ein regelmäßiger Gaststätten-Betrieb, der bis heute anhält.

K-Foto 21 Alternative Kapelle Efrizweiler 2006 12 030002.JPG Efrizweiler Schloss mit Kapelle

Schlosskapelle St. Agatha in Efrizweiler (12): Die letzte Renovierung der Schlosskapelle wurde im Jahr 2006 beendet. Bis zu Beginn der Renovierung wurde die Kapelle im Oktober von Frauen aus der Nachbarschaft zum Rosenkranz-Gebet genutzt. Die Kapelle gehörte seit der Schenkung durch die Fürstenberger (1865) zunächst der Gemeinde Kluftern, heute der Stadt Friedrichshafen. Der spätgotische Bau stammt vermutlich aus dem 15. Jahrhundert. Ein Hinweis auf die Bauzeit findet sich in der 1474 erteilten Bewilligung eines „Tragaltars“ für das Schloss Efrizweiler. Unter Tragaltar ist ein mobiler Altar zu verstehen, der unter anderem auch ins Schloss für seelsorgerische und kultische Handlungen getragen werden konnte. Noch um 1627 erwähnt der Schlossherr, dass „alleinig ain betstain auff dem Altar, so man Meß lißt, gebraucht (werde)“. Die fachmännische Restaurierung der Putten, des zusammenklappbaren Beichtstuhls und anderer Einrichtungsgegenstände im Jahre 2008 wurde durch Bürgerspenden finanziert und von Mitgliedern des Arbeitskreises Heimatgeschichte Kluftern geleitet.

Der Innenraum hat eine einfache barocke Ausstattung: Einen Altar mit der Statue des heiligen Johannes des Täufers und dreizehn (die Station 12 fehlt) kleine Gemälde mit den Kreuzwegstationen. Besichtigungen der Kapelle sollten frühzeitig bei der Gemeindeverwaltung in Kluftern angemeldet werden.

Fotonachweis

Foto Nachweis:
(1) Adalbert Kühnle
(2) Bernd Caesar
(3) Klaus Wessenberg
(4) Landesdenkmalamt Tübingen
(5) Klaus Wessenberg
(6) Klaus Wessenberg
(7) Bernd Caesar
(8) und (8a) Bernd Caesar
(9) unbekannter Fotograph 1939
(10) unbekannter Fotograph 1939
(11) Bernd Caesar
(12) A. Hori (Pfahlbaumuseum Uhldingen)
(13) Bernd Caesar
(14) Bernd Caesar
(15) Bernd Caesar
(16) Bernd Caesar
(17) Bernd Caesar
(18) Klaus Wessenberg
(19) A. Hori (Pfahlbaumuseum Uhldingen)
(20) Bernd Caesar
(21) Bernd Caesar

Quellen und Verweise

  • Ortsrundweg.de zum Ortsrundweg Kluftern
  • Bernd Caesar, "Zwischen Brunnisach und Lipbach" in "Friedrichshafen - Stadtgeschichtliche Rundgänge", Schriftenreihe des Stadtarchivs Friedrichshafen, Bd.5, Silberburg-Verlag, 2007
  • zurück nach Kluftern




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