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Friedrichshafen Ailingen

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Inhaltsverzeichnis

Ortschaft Ailingen

Der staatlich anerkannte Erholungsort Ailingen ist mit 7519 Einwohnern (Stand: Jan 2014) die größte Ortschaft von Friedrichshafen am Bodensee im baden-württembergischen Bodenseekreis. Zur Ortschaft Ailingen gehören neben dem namengebenden Ort Ailingen die Ortsteile und Wohnplätze Berg (zwischen 1825 und 1937 selbständige Gemeinde, zu der auch die Siedlungen Holzhof, Ittenhausen, Jägerhaus, Kappelhof, Köstenbach, Langenloch, Unterraderach und Weiler an der Ach gehörten), Buchholz, Bunkhofen, Hagendorn, Höhler, Holzhof, Ittenhausen, Lochenried, Martinshof, Oberailingen, Oberlottenweiler, Reinach, Unterailingen, Unterlottenweiler, Waldacker, Weilermühle, Wiggenhausen und Wolfenhof.

Ort Ailingen

Geographische Lage

Ailingen liegt rund vier Kilometer nördlich des Friedrichshafener Stadtzentrums.

Ausdehnung des Gebiets

Die Gesamtfläche der Gemarkung Ailingen beträgt 1421 Hektar.

3D-Stadtmodelle

Lage: Straßen, Wege und Plätze im Ort Ailingen

Ortsschild-Ailingen.JPG

Museen

  • Streuobstmuseum (Ailingen-Weilermühle): Das Museum beschäftigt sich mit der Bedeutung von Streuobstwiesen und deren Ökologie. Diese wird anhand von verschiedenen Obstbäumen erläutert.
  • Museum des Geschichtsvereins Ailingen-Berg (wechselnde Ausstellungen)

Bauwerke

St. Johann Baptist

  • Die Pfarrkirche St. Johannes Baptist wurde von Rudolf und Gottfried von Habsburg dem Kloster Löwental gestiftet und diesem 1326 inkorpiert. Der untere Teil des Kirchturms stammt vermutlich aus dem 14. Jahrhundert. In der Zeit des Kirchenneubaus um 1500 wurde er auf seine heutige Höhe von 42 m erhöht. 1625 wurde das Langhaus vergrößert, 1626 die Rosenkranzkapelle angebaut. Pfarrer Paul Martin (1704–1735) stiftete 1729 eine Strahlenmonstranz (Augsburger Arbeit). 1789 schuf Andreas Brugger das Deckenfresko „Maria Fürbitterin der bedrohten Menschheit“ der Rosenkranzkapelle. 1958/59 musste das alte Langhaus und der Chor der Kirche einem neuen, größeren Kirchenbau weichen, der Turm und Rosenkranzkapelle des Vorgängerbaus einschloss. Ein neugotischer Hochaltar von Anselm Sickinger wurde entfernt, später wurden erhaltene Teile erneut aufgestellt.
  • Die Haldenbergkapelle wurde 1921 als Kriegergedächtniskapelle für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges auf dem Haldenberg errichtet. Das Baumaterial wurde von der ehemaligen Marienkapelle von der Reinachmühle verwendet. Neben dem Mosaik „Stern im Lebensmeere“ von Kurt Zöller (Miltenberg) sind der moderne Kreuzweg (ebenfalls Zöller) und die Pietà (1893) sehenswert. Der im Landschaftsschutzgebiet Haldenberg liegende Aussichtspunkt bei der Kapelle bietet eine wunderschöne Fernsicht auf Bodensee und Alpen.
  • Weiterhin sind Fachwerkbauten, wie das Haus Berger in Oberlottenweiler und das Alte Pfarrhaus, sowie die Pfarrkirche St. Nikolaus in Berg sehenswert.

Naturerlebnis


Einwohner

Die Einwohner von Ailingen werden Ailinger genannt.

Vereine

In Ailingen gibt es ein reges Vereinsleben. Neben katholischen und evangelischen kirchlich geprägten Vereinen (Kirchenchöre, Kinder- und Jugendchor, Landvolk, Landfrauen, Blutreitergruppe), Musikvereinen, Gesangsverein „Liederkranz“ und Sportvereinen gibt es Dorfgemeinschaften in Berg, Ittenhausen und Lottenweiler. Drei Narrenzünfte (Narrenzunft Ailingen, Narrenzunft Berg und Narrenzunft Lottenweiler) betreiben in Ailingen die schwäbisch-alemannische Fastnacht. Folgende Vereine stammen aus Ailingen:

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Fasnet in Ailingen, Berg und Lottenweiler
  • Funkenfeuer in Lottenweiler (Sonntag nach Aschermittwoch)
  • Berger Sommerfest (Juniwochenende)
  • Ailinger Dorffest (Wochenende vor Ende den Sommerferien)
  • Ailinger Handballturnier (meist am 3. Augustwochenende)

Historische Ereignisse

Ailingen wurde am 20. März 771 in einer Schenkungsurkunde eines Priesters namens Hymmo an das Kloster St. Gallen erstmals urkundlich als „villa ailingas“ erwähnt. Die Urkunde führt zusätzlich ein dort befindliches Gericht auf. Zu dieser Zeit besaß Ailingen bereits eine Pfarrei, zu der auch die Kirche in Ettenkirch gehörte. 873 wurde die Einwohnerzahl Ailingens mit rund 100 angegeben.[1]

Das Kloster Löwental
Ab 1198 waren die Grafen von Habsburg Dienstherren des Ortsadels und Besitzer der Kirche, die Rudolf und sein Bruder Gottfried am 10. Juli 1260 dem Dominikanerinnenkloster Löwental schenkten. 1326 wurde sie schließlich dem Kloster inkorporiert. In der Folgezeit kam es zu zahlreichen Streitigkeiten der Ortsbevölkerung mit dem Kloster, beispielsweise über die Entlohnung des Pfarrers.

Grundherrschaftlich gehörte Ailingen bis 1475/76 zur Grafschaft Heiligenberg. Danach wurde es bis 1805 vom Amt Fischbach-Hagendorn der vorderösterreichischen Landvogtei Schwaben verwaltet und bildete mit Fischbach eine Gemeinde. Mit dem Frieden von Pressburg gelangte es 1805 an das Königreich Württemberg. Bis 1825 bildete Ailingen zusammen mit dem Ort Berg und anderen Wohnplätzen (z.B. Allmannsweiler) die Gemeinde Hagendorn. Schließlich wurde Ailingen 1825 von der Berg abgetrennt und damit eigenständige Gemeinde, die zum Oberamt Tettnang (später umbenannt in Landkreis Tettnang) gehörte.

1838 Johann Daniel Georg von Memminger: Gemeinde Ailingen - Unter-Ailingen, in: Beschreibung des Oberamts Tettnang. Cotta, Stuttgart und Tübingen, S.124-125:

  • "Unter-Ailingen, ein katholischer Pfarrweiler, mit 53 Einwohnern, in milder fruchtbarer Lage, 1/8 Stunde von Ober-Ailingen und 11/8 Stunden von Friedrichshafen. Den Großzehnten hat größtentheils die Pfarrstelle zu beziehen. Die Gefälle kommen der Königl. Finanzkammer zu, früher waren die Klöster Kreuzlingen und Löwenthal die Lehensherren. Das Patronat ist Königlich, vorher war es Löwenthalisch. Der Ort hat einen Pfarrer und einen Kaplan, eine Pfarrkirche zum heil. Johannes dem Täufer, welche mit einem großen in der ganzen Gegend hervorragenden Thurm versehen ist, ein gutes Pfarrhaus, ein Kaplaneihaus und ein sehr ansehnliches Schulhaus für den Gemeindebezirk. Die Baulast der Kirche, so wie des Pfarr- und Kaplaneihauses liegt auf der vermöglichen Kirchenpflege. Auf dem Thurm sind 4 Glocken, die größte davon hat folgende Inschrift: Anno 1218 schon bin ich durch diesen Ofen geflossen, da aber mir zerbrach der Ton, wurde ich wieder umbgossen. Osanna verblieb mein Nam. Leonhard Rosenlecher wahr der Man in Constanz 1765. Das Schulhaus, worin auch die Rathsstube sich befindet, wurde 1828 neu von Stein gebaut, s. S. 44. Zu den Kosten trug die Kirchenpflege 3000 fl. bei, die ganze Gemeinde leistete Frohndienste. Der Pfarrsprengel umfaßt jetzt gerade den Schultheißerei-Bezirk; ehemals gehörte auch Ettenkirch mit einem Theil seiner Filiale in den Sprengel, bis dasselbe 1715 davon getrennt wurde. Die Kirchenpflege besitzt 22.000 fl. Capital, 6 Lehenhöfe, Zehnten etc. Sie wirkt unter der guten Verwaltung guter Ortsvorsteher vielfach wohlthätig; der Dekan Gall ist hier Pfarrer. Die Güter des Gemeindebezirks wurden 1797 vereinödet. Unter-Ailingen hat 2 Schildwirthschaften und außer einigen andern Gewerben auch eine Gerberei. Daß der Bezirk erst seit 1825 eine selbständige Staats-Gemeinde bildet und vorher zur Gemeinde Berg getheilt war, ist oben schon bemerkt worden. Die Pfarrei ist sehr alt, die Kaplanei wurde 1496 von dem Kloster Löwenthal und den Gemeinde-Angehörigen gestiftet. Das Patronatrecht der Kirche wurde laut Urkunde vom 10. Juli 1260 von den Grafen Rudolph und Gottfried von Habsburg dem Kloster Löwenthal geschenkt, dem die Kirche 1326 incorporirt wurde. Daß Ailingen überhaupt ein sehr alter Ort ist, wurde schon oben gezeigt. An dem untern Theil des Thurms, der unter die sogenannten Heidenthürme gerechnet wird, bestehen die außerordentlich dicken Mauern aus denselben rohen Blöcken, wie an dem Hatzenthurm.“

Im Jahr 1930 schlug das Württembergische Staatsarchiv erstmals ein Ailinger Wappen vor, das sich vor allem auf das Thema Obstbau beziehen sollte. Der Obstbau wurde wiederum von der Firma Dochtermann, einer privaten Firma für Wappenkunst, aufgegriffen. Die Gemeindeverwaltung lehnte jedoch beide Wappen ab. Nachdem die Suche nach einem Wappen früherer Ortsherren erfolglos war, wurde auf Anregung des Landratsamt hin, ein Wappen mit folgender Blasonierung erstellt: In gespaltenem Schild vorn in Silber (Weiß) ein nach unten gekehrter grüner Apfelbaumzweig mit zwei roten Äpfeln, hinten im Grün ein silberner (weißer) Kirchturm mit Staffelgiebel. Dieses Wappen weist auf den umfangreichen Obstbau, der heute noch eine der Haupteinnahmequellen ist, und die Ortskirche, die in der Vergangenheit eine wesentliche Rolle für die Umgebung spielte, hin. Am 7. Dezember 1961 verlieh das Innenministerium der Gemeinde das Recht, dieses Wappen sowie die Flagge Grün-Weiß zu führen.

1937 wurde Berg wieder nach Ailingen eingemeindet.

In der Nachkriegszeit war der Ort Teil der französischen Besatzungszone, ab 1949 gehörte er bis zur Gründung Baden-Württembergs 1952 zum Land Württemberg-Hohenzollern. 1971 feierte Ailingen sein 1200-jähriges Jubiläum.

Bis nach dem Zweiten Weltkrieg war Ailigen von der Landwirtschaft dominiert, 1983 waren noch 10 % der Bevölkerung im landwirtschaftlichen Sektor tätig. Außerhalb des immer noch ländlich anmutenden Ortskerns sind mehrere Wohngebiete entstanden. Neben der Landwirtschaft hat sich seit den 1960er Jahren, der Tourismus als Nebenerwerbsquelle etabliert. Seit 1974 ist Ailingen staatlich anerkannter Erholungsort, der durch die Nähe zur Stadt Friedrichshafen mit ihrer zentralen Lage am Bodensee und dem ländlichen Umfeld im „Obstgarten am Bodensee“ besonders gut auch für Familien als Urlaubsort eignet und ist aktuell auch mit dem Prädikat familien-ferien in Baden-Württemberg ausgezeichnet.

Seit dem 01.12.1971 gehört die vorher selbstständige Gemeinde Ailingen zur Großen Kreisstadt Friedrichshafen eingemeindet (Eingliederungsvereinbarung Ailingen vom 28.11.1971). Mit Friedrichshafen gelangte es 1973 zum neu gebildeten Bodenseekreis. 1974 erhielt Ailingen das Prädikat „Staatlich anerkannter Erholungsort“.

1999 überschritt die Einwohnerzahl die 7.000er-Grenze.

Persönlichkeiten

  • Hymmo, Priester im 8. Jahrhundert, er schenkte seinen Besitz in Ailingen dem Kloster St. Gallen. Dadurch wurde der Ort am 20. März 771 erstmals urkundlich erwähnt.
  • Joseph Eberle (* 2. August 1884 in Ailingen-Reinachmühle; † 14. September 1947 in Salzburg), katholischer Publizist
  • Maria Franziska Eberle (* 1890; † 1965), Schwester Bonaventura, 1939–1945 Oberin der Kapuzinerinnen in St. Notkersegg (CH)
  • Bruno Volkwein (* 30. Oktober 1938 in Unterlottenweiler; Priesterweihe 17. Oktober 1964 in Sankt Augustin; † 16. Juni 2003 in Siegburg), Steyler Missionar und Professor des Alten Testamentes in St. Augustin/Bonn
  • Josef Hoben (* 27. Mai 1954 in Unterraderach; † 26. November 2012); Deutscher Schriftsteller und Literaturhistoriker


Ailingen-Feuerwehr.JPG

Einfluss der Ortsteile

Die Bewohner der Ortschaft Ailingen nehmen an den Gemeinderatswahlen von Friedrichshafen als Wohnbezirk Ailingen teil. Die Gemeinderatswahl erfolgte nach dem System der unechten Teilortswahl. Ein hauptamtlicher Ortsvorsteher und der Ortschaftsrat, die alle 5 Jahre gewählt werden, vertreten die Interessen der Ailinger Bürger im Gemeinderat Friedrichshafen. 2007 wurde für den Ortsteil Berg auf Ortschaftsebene die unechten Teilortswahl abgeschafft.


Literatur

  1. Geschichte von Ailingen


Quellen und Verweise



Dieser Artikel basiert auf dem Artikel http://de.wikipedia.org/wiki/Ailingen aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.





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