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Lindauer Stadtgeschichte

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Inhaltsverzeichnis

Nach Epochen

Chronik

Jahre

  • Um 200, vermutet wird von Bregenz aus, wird auf dem Gebiet des heutigen Stadtteils Aeschach eine große Villa errichtet, Relikte am "Römerpark"
  • 802, der Name des heutigen Stadtteils Aeschach wird erstmals als Gewässername erwähnt.
  • 882 in St. Galler Urkunde wird der Namen Lindau, bezogen auf ein adliges Frauenkloster, erwähnt. Der Name bedeutet "Insel, auf der Lindenbäume wachsen".
Außer den Nonnen leben im 9. Jahrhundert noch Fischer auf der Insel, deren Siedlung abseits vom Kloster im Gebiet der Peterskirche, dem ältesten Gotteshaus Lindaus, vermutet wird.

ab dem Jahr 1000

um 1079 verlegt das Kloster Lindau aus Sicherheitsgründen seinen Markt, den es bisher auf dem Festland in Aeschach abgehalten hat, auf die Insel. Damit ist die Grundlage für die Stadtwerdung gegeben: Zwischen Stift und Fischerdorf entsteht eine aufblühende Kaufmannssiedlung


um 1180 wird die (seit 1528 evangelische) Pfarrkirche St. Stephan errichtet, deren heutige Gestalt allerdings überwiegend von Erweiterungen und Umbauten des beginnenden 16. und des ausgehenden 18. Jahrhunderts geprägt wird.


1213/1225 werden zwei Lindauer Textilkaufleute in Genua erwähnt. Damit werden erstmals die Handelsbeziehungen der Stadt nach Italien greifbar, die bis ins 19. Jahrhundert eine wichtige Säule der Lindauer Wirtschaft bilden. Wohl seit dem späten Mittelalter unterhält die Stadt Lindau den "Mailänder Boten". Bis 1826 transportiert er regelmässig Nachrichten, Waren und Personen vom Bodensee durch das Rheintal und über die Bündner Pässe nach Oberitalien. - Neben dem Fernhandel mit dem Mittelmeerraum (Textilien, Gewürze, Südfrüchte) spielt auch der Warenaustausch zwischen den Bodenseeanrainern eine wichtige Rolle (Salz, Holz, Getreide, Fische).


1224 lassen sich Franziskaner ("Barfüßer") in Lindau nieder, deren Klosterkirche heute das Stadttheater beherbergt (Fischergasse 37).


1237 Lindauer Heilig-Geist-Hospital erstmals in einer Urkunde genannt. Als evangelische Hospitalstiftung besteht die Einrichtung bis heute an ihrem mittelalterlichen Standort zwischen nördl. Stadtmauer und Schmiedgasse fort. Sie dient heute als Seniorenheim


1274/75 verleiht König Rudolf I. wie vielen anderen Städten auch Lindau wichtige Freiheiten und Rechte. Die Kaufmannssiedlung löst sich mehr und mehr aus der Herrschaft des Frauenklosters und entwickelt sich zu einer Freien Reichsstadt mit Selbstverwaltung, die nur den Kaiser bzw. König als Oberhaupt anerkennt.


1275/78 werden die Namen der heutigen Stadtteile Reutin und Hoyren erstmals urkundlich erwähnt. Der Name Reutin, der "gerodetes Land" bedeutet, verweist darauf, dass ein Großteil des Lindauer Umlandes während des Hochmittelalters urbar gemacht wurde.

ab dem Jahr 1300

1358 wird das bis heute erhaltene, allerdings mehrfach veränderte Haus "Zum Sünfzen" (Maximilianstr. 1) errichtet. Bauherr ist die gleichnamige Handelsbürger-Gesellschaft, die Fernhandel treibt und zum Teil in Auseinandersetzung mit den Zünften die Geschicke der Reichsstadt über Jahrhunderte hinweg bestimmt.


vermutet wird seit dem 14. Jahrhundert eine Brücke zwischen Insel und Festland


1422-1436 erbaut die Stadt an der Stelle eines Rebgartens das heutige Alte Rathaus.


1466 erhält das Damenstift bzw. seine Äbtissin die Würde einer weltlichen Reichsfürstin. Innerhalb des "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" sind Stift und Stadt trotz ihrer unmittelbaren Nähe voneinander unabhängige Territorien, die häufig im Streit miteinander liegen.


1496/97 tagt im Alten Rathaus ein Reichstag, auf dem verschiedene deutsche Fürstentümer und Freie Städte vertreten sind. Führender Kopf ist der Reichserzkanzler, der Mainzer Erzbischof Berthold von Henneberg. Sein mutmaßliches Konterfei ist an der südlichen Fassade des Alten Rathauses zu sehen, wo auch das farbige Freskenband Bezug auf den Reichstag nimmt. Es zeigt den Einzug Herzog Philipps von Burgund in Lindau. Philipp vertrat seinen Vater, den Kaiser Maximilian I., der selbst nicht am Reichstag teilnahm.

ab dem Jahr 1500

1528, nach der Reformation Luthers und Zwinglis: die Stadt Lindau wird evangelisch. Das Kloster der Franziskaner, aus deren Reihen der erste reformatorische Prediger stammt, wird geschlossen. Ein Teil seiner Bücher gelangt in die 1538 gegründete Stadtbibliothek. Durch den Glaubenswechsel wird Lindau auch in konfessioneller Hinsicht zu einer Insel, denn die gesamte Umgebung bleibt mit Ausnahme der wenigen, zur Stadt Lindau gehörenden Dörfer auf dem Festland katholisch, ebenso das Damenstift auf der Insel.


1529 gehört die Stadt Lindau auf dem Reichstag zu Speyer zu der neugläubigen Minderheit der Reichsstände, die gegen die reformationsfeindlichen Beschlüsse der altgläubigen Mehrheit Protest einlegt. Davon leitet sich die Bezeichnung "Protestanten" für die Evangelischen Kirchengemeinden her.


1530 unterzeichnet Lindau auf dem Reichstag von Augsburg nicht wie die meisten evangelischen Fürsten und Städte die "Confessio Augustana", die Philipp Melanchton für die Anhänger Martin Luthers verfasst hat, sondern legt zusammen mit Straßburg, Konstanz und Memmingen ein eigenes Glaubensbekenntnis, die an Zwingli orientierte "Confessio Tetrapolitana" (= "Vierstädtebekenntnis"), vor. Erst in der Folgezeit schließt sich Lindau dem Luthertum an.

ab dem Jahr 1600

1628 legt der Kaiser, der katholisch und auch Herr von Österreich ist, Truppen in die Stadt, nachdem dort innere Unruhen ausgebrochen waren. Es kommt zu Versuchen, Lindau zu rekatholisieren und stärker an Österreich zu binden.


1646/47 kommt es zur einzigen förmlichen Belagerung Lindaus während des 30jährigen Krieges (1618 - 1648). Schwedische Truppen versuchen die Stadt zu erobern, scheitern jedoch am Widerstand der Bürger und der kaiserlichen Besatzung unter dem Grafen Max Willibald Waldburg-Wolfegg, dessen Portrait ebenfalls an der Südfassade des Alten Rathauses zu sehen ist. Lindau bleibt damit die Plünderung erspart.


1648 beendet der Westfälische Frieden den 30jährigen Krieg. Von Neuem wird der Stadt Lindau ihre politische und konfessionelle Eigenständigkeit garantiert, die seit 1628 gefährdet gewesen war. Die kaiserliche Garnison muss abziehen. Erfolge u.a. der Verhandlungen des Lindauers Valentin Heider, dessen Portraitmedaillon ebenfalls an der Südfassade des Alten Rathauses angebracht ist.


1655 werden regelmäßige Schulpredigten eingeführt, um die Lindauer Bevölkerung vom Sinn und Zweck des städtischen Unterrichtswesens zu überzeugen. Damit soll nicht zuletzt die Bereitschaft der Eltern erhöht werden, ihre Kinder zu einem regelmäßigen Schulbesuch anzuhalten. Aus den Schulpredigten hat sich das Lindauer Kinderfest entwickelt.


1728 verwüstet ein Stadtbrand den Stiftsbezirk und angrenzende Stadtviertel. Nur die evangelische Stephanskirche bleibt verschont. Beim Wiederaufbau erhalten Stift, Stiftskirche und Markt (Haus zum Cavazzen = Stadtmuseum, Haus zum Baumgarten = Marktplatz 4) das barocke Gepräge, das sie bis heute kennzeichnet.


ab dem Jahr 1800

1802 werden als Folge der Französischen Revolution von 1789 alle Klöster und Reichsstädte aufgehoben. Die Stadt Lindau und die Besitzungen des Damenstiftes fallen an Fürst Karl August von Bretzenheim, dessen Schwester Friederike (1771-1816) die vorletzte, 1788-1796 amtierende Äbtissin des Stifts gewesen war.


1804 Lindau fällt an Österreich. Karl August von Bretzenheim hat seinen ungeliebten Besitz am Bodensee gegen Güter in Ungarn eingetauscht.


1805/06 muss Österreich nach einer Niederlage gegen Napoleon Lindau an den französischen Bundesgenossen Bayern abtreten. Damit besitzt Bayern einen Zugang zum "Schwäbischen Meer". Neu gebaut wurde die „Max-Josef-Kaserne“ (Max-Kaserne) mit Hof zwischen den Flügeln zur Fischergasse hin.


1808/18 verliert die Inselstadt Lindau vorübergehend ihr Landgebiet, das nun auf drei neue selbständigen Gemeinden Aeschach, Hoyren und Reutin verteilt wird.


1838 wird in Lindau das erste eiserne Dampfschiff auf dem Bodensee, die "Ludwig", in Dienst gestellt.


1842/47 erbaut der in Italien zu Vermögen gekommene Lindauer Großkaufmann F. Gruber am Schachener Seeufer die Lindenhofvilla. Dank zahlreicher Nachahmer, darunter die bayerische Königsfamilie, entwickelt sich bis zum Ersten Weltkrieg an der "Bayerischen Riviera" ein regelrechter Villengürtel, oft mit kleinen Privathäfen.


1853/54 erreicht die Eisenbahn über den damals errichteten Damm Lindau. Die Stadt ist Endpunkt der in Hof beginnenden bayerischen Nordost-Südwest-Diagonalstrecke. Die ersten Hotelbauten entstehen in der Nähe des Bahnhofs.


1856 wird der neue Seehafen als Schnittstelle der damals modernsten Verkehrsmittel Dampfschiffahrt und Eisenbahn fertiggestellt.

ab dem Jahr 1900

1900, ein erstes Lindauer Elektrizitätswerk


1904 zieht das Militär in die neu errichtete, nach dem damaligen bayerischen Prinzregenten benannte Luitpoldkaserne auf der "Hinteren" bzw. westlichen Insel ein.


1921, Wolfram Geißler veröffentlicht den Roman "Der liebe Augustin". Dieses "Lindauer Nationalepos" lässt die letzten Jahrzehnte der Reichs- und die ersten Jahre der bayerischen Stadt Lindau lebendig werden.


1922 werden die 1808/18 abgetrennten Festlandsgemeinden Aeschach, Hoyren und Reutin wieder mit Lindau vereinigt.


1933 erhält auch Lindau ein nationalsozialistisches Stadtregime. Oberbürgermeister war damals bereits Ludwig Siebert, unter dem 1922 die Gemeinden Aeschach, Hoyren und Reutin im Stadtgebiet Lindaus aufgegangen waren. Siebert, erster NS-OB in Bayern, fungierte ab 1933 als bayrischer NS-Ministerpräsident.

Die Garnisonsstadt war für die Wehrmacht eine wichtige Pionier-Garnison; hier wurden mehrere Landungs-Pionier-Einheiten der deutschen Wehrmacht aufgestellt.


1945 besetzen am 30. April französische Truppen kampflos die Stadt, die den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet überstanden hat. Zusammen mit dem Landkreis Lindau dienen sie in den folgenden Jahren als Landbrücke zwischen den französischen Besatzungszonen in Südwestdeutschland und in Westösterreich. Stadt und Landkreis Lindau werden damit vom übrigen Bayern, das amerikanisch besetzt ist, abgetrennt. An der Spitze der zivilen Verwaltung steht ein Kreispräsident.


1950 rollt die erste Roulette-Kugel in der Lindauer Spielbank; die ersten Lindauer Psychotherapiewochen werden abgehalten.


1951 findet die erste Lindauer Nobelpreisträgertagung statt.


1951 beginnt Felix Wankel (1902 - 1988), der seit 1936 in Lindau lebt, mit der Entwicklung des nach ihm benannten Rotationskolben- (Drehkolben-) Motors. Seine 1962 in Bauhausmanier erbaute "Technische Entwicklungsstelle" (TES) im Stadtteil Zech (Fraunhofer Str. 10) steht seit 1999 unter Denkmalschutz.


1955 regelt die "Lex Lindau" die Rückgliederung des "Landkreisstaats" Lindau nach Bayern, die 1956 abgeschlossen ist.


1963 kommt es im Winter zur bislang letzten "Seegfrörne"


1964 begründen Lindau und die französische Stadt Chelles bei Paris eine Städtepartnerschaft

ab dem Jahr 1970

1973 wird der erste Teil der Lindauer Fußgängerzone eingeweiht.


1975 geht die Luitpoldkaserne auf der Hinteren Insel nach Abzug der Garnison in städtischen Besitz über.


1976 vergrößert sich Lindau durch die Eingemeindung von Reitnau, das erstmals 805 urkundlich erwähnt worden ist.


1981 können die Lindauer mit der neuen Inselhalle ein modernes Tagungs- und Veranstaltungszentrum nutzen.


1987 stürzt in der katholischen Stiftskirche die Stuckdecke in das Schiff herunter. Sie wird in den folgenden Jahren in mühevoller Kleinarbeit wiederhergestellt.


1994 nimmt das neue Stadtbussystem seinen Betrieb auf. Die Initiative wird von dem neuen OB Jürgen Müller gefördert.


1998, Klärwerk fertiggestellt


1999 sucht an Pfingsten ein Jahrhunderthochwasser die Inselstadt heim, das Erinnerungen an ähnliche bzw. stärkere Katastrophen in der Vergangenheit (z. Bsp. 1817) wachruft.


2000 werden die Neubauten der Seebrücke und der Spielbank fertiggestellt.

Die Psychotherapeuten und die Nobelpreisträger treffen sich zum 50. Mal in Lindau (B),
die Lindauer Marionettenoper wird ins Leben gerufen
in Reutin entsteht am Kreisel ein modernes Einkaufszentrum („Lindaupark").


2002 Nach zweijähriger Sanierung wird aus der ehemaligen Luitpoldkaserne das Wirtschafts- und Bildungszentrum Luitpoldpark


2003, in unmittelbarer Nachbarschaft des Luitpold-Parks wird der Neubau der Bodensee-Klinik für ästhetische Chirurgie (Prof. Dr. Dr. Werner Mang) fertiggestellt.


2004, die bereits 1946 von der französischen Besatzungsmacht gegründete Industrie- und Handelskammer Lindau-Bodensee und diejenige für Augsburg und Schwaben schließen sich zur IHK Schwaben zusammen.


Erstmals lädt das Kuratorium für die Lindauer Nobelpreisträgertagungen auch die Laureaten der Wirtschaftswissenschaften zu einem Treffen ein, das künftig alle zwei Jahre stattfinden soll.

Weblinks

Siehe auch





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