modified on 16. August 2012 at 10:31 ••• 2.117 views

Lindauer Stadtgeschichte

Aus BŁrgerwiki Bodensee

Wechseln zu: Navigation, Suche

Inhaltsverzeichnis

Nach Epochen

Chronik

Jahre

  • Um 200, vermutet wird von Bregenz aus, wird auf dem Gebiet des heutigen Stadtteils Aeschach eine gro√üe Villa errichtet, Relikte am "R√∂merpark"
  • 802, der Name des heutigen Stadtteils Aeschach wird erstmals als Gew√§ssername erw√§hnt.
  • 882 in St. Galler Urkunde wird der Namen Lindau, bezogen auf ein adliges Frauenkloster, erw√§hnt. Der Name bedeutet "Insel, auf der Lindenb√§ume wachsen".
Außer den Nonnen leben im 9. Jahrhundert noch Fischer auf der Insel, deren Siedlung abseits vom Kloster im Gebiet der Peterskirche, dem ältesten Gotteshaus Lindaus, vermutet wird.

ab dem Jahr 1000

um 1079 verlegt das Kloster Lindau aus Sicherheitsgr√ľnden seinen Markt, den es bisher auf dem Festland in Aeschach abgehalten hat, auf die Insel. Damit ist die Grundlage f√ľr die Stadtwerdung gegeben: Zwischen Stift und Fischerdorf entsteht eine aufbl√ľhende Kaufmannssiedlung


um 1180 wird die (seit 1528 evangelische) Pfarrkirche St. Stephan errichtet, deren heutige Gestalt allerdings √ľberwiegend von Erweiterungen und Umbauten des beginnenden 16. und des ausgehenden 18. Jahrhunderts gepr√§gt wird.


1213/1225 werden zwei Lindauer Textilkaufleute in Genua erw√§hnt. Damit werden erstmals die Handelsbeziehungen der Stadt nach Italien greifbar, die bis ins 19. Jahrhundert eine wichtige S√§ule der Lindauer Wirtschaft bilden. Wohl seit dem sp√§ten Mittelalter unterh√§lt die Stadt Lindau den "Mail√§nder Boten". Bis 1826 transportiert er regelm√§ssig Nachrichten, Waren und Personen vom Bodensee durch das Rheintal und √ľber die B√ľndner P√§sse nach Oberitalien. - Neben dem Fernhandel mit dem Mittelmeerraum (Textilien, Gew√ľrze, S√ľdfr√ľchte) spielt auch der Warenaustausch zwischen den Bodenseeanrainern eine wichtige Rolle (Salz, Holz, Getreide, Fische).


1224 lassen sich Franziskaner ("Barf√ľ√üer") in Lindau nieder, deren Klosterkirche heute das Stadttheater beherbergt (Fischergasse 37).


1237 Lindauer Heilig-Geist-Hospital erstmals in einer Urkunde genannt. Als evangelische Hospitalstiftung besteht die Einrichtung bis heute an ihrem mittelalterlichen Standort zwischen nördl. Stadtmauer und Schmiedgasse fort. Sie dient heute als Seniorenheim


1274/75 verleiht König Rudolf I. wie vielen anderen Städten auch Lindau wichtige Freiheiten und Rechte. Die Kaufmannssiedlung löst sich mehr und mehr aus der Herrschaft des Frauenklosters und entwickelt sich zu einer Freien Reichsstadt mit Selbstverwaltung, die nur den Kaiser bzw. König als Oberhaupt anerkennt.


1275/78 werden die Namen der heutigen Stadtteile Reutin und Hoyren erstmals urkundlich erwähnt. Der Name Reutin, der "gerodetes Land" bedeutet, verweist darauf, dass ein Großteil des Lindauer Umlandes während des Hochmittelalters urbar gemacht wurde.

ab dem Jahr 1300

1358 wird das bis heute erhaltene, allerdings mehrfach ver√§nderte Haus "Zum S√ľnfzen" (Maximilianstr. 1) errichtet. Bauherr ist die gleichnamige Handelsb√ľrger-Gesellschaft, die Fernhandel treibt und zum Teil in Auseinandersetzung mit den Z√ľnften die Geschicke der Reichsstadt √ľber Jahrhunderte hinweg bestimmt.


vermutet wird seit dem 14. Jahrhundert eine Br√ľcke zwischen Insel und Festland


1422-1436 erbaut die Stadt an der Stelle eines Rebgartens das heutige Alte Rathaus.


1466 erh√§lt das Damenstift bzw. seine √Ąbtissin die W√ľrde einer weltlichen Reichsf√ľrstin. Innerhalb des "Heiligen R√∂mischen Reiches Deutscher Nation" sind Stift und Stadt trotz ihrer unmittelbaren N√§he voneinander unabh√§ngige Territorien, die h√§ufig im Streit miteinander liegen.


1496/97 tagt im Alten Rathaus ein Reichstag, auf dem verschiedene deutsche F√ľrstent√ľmer und Freie St√§dte vertreten sind. F√ľhrender Kopf ist der Reichserzkanzler, der Mainzer Erzbischof Berthold von Henneberg. Sein mutma√üliches Konterfei ist an der s√ľdlichen Fassade des Alten Rathauses zu sehen, wo auch das farbige Freskenband Bezug auf den Reichstag nimmt. Es zeigt den Einzug Herzog Philipps von Burgund in Lindau. Philipp vertrat seinen Vater, den Kaiser Maximilian I., der selbst nicht am Reichstag teilnahm.

ab dem Jahr 1500

1528, nach der Reformation Luthers und Zwinglis: die Stadt Lindau wird evangelisch. Das Kloster der Franziskaner, aus deren Reihen der erste reformatorische Prediger stammt, wird geschlossen. Ein Teil seiner B√ľcher gelangt in die 1538 gegr√ľndete Stadtbibliothek. Durch den Glaubenswechsel wird Lindau auch in konfessioneller Hinsicht zu einer Insel, denn die gesamte Umgebung bleibt mit Ausnahme der wenigen, zur Stadt Lindau geh√∂renden D√∂rfer auf dem Festland katholisch, ebenso das Damenstift auf der Insel.


1529 geh√∂rt die Stadt Lindau auf dem Reichstag zu Speyer zu der neugl√§ubigen Minderheit der Reichsst√§nde, die gegen die reformationsfeindlichen Beschl√ľsse der altgl√§ubigen Mehrheit Protest einlegt. Davon leitet sich die Bezeichnung "Protestanten" f√ľr die Evangelischen Kirchengemeinden her.


1530 unterzeichnet Lindau auf dem Reichstag von Augsburg nicht wie die meisten evangelischen F√ľrsten und St√§dte die "Confessio Augustana", die Philipp Melanchton f√ľr die Anh√§nger Martin Luthers verfasst hat, sondern legt zusammen mit Stra√üburg, Konstanz und Memmingen ein eigenes Glaubensbekenntnis, die an Zwingli orientierte "Confessio Tetrapolitana" (= "Vierst√§dtebekenntnis"), vor. Erst in der Folgezeit schlie√üt sich Lindau dem Luthertum an.

ab dem Jahr 1600

1628 legt der Kaiser, der katholisch und auch Herr von √Ėsterreich ist, Truppen in die Stadt, nachdem dort innere Unruhen ausgebrochen waren. Es kommt zu Versuchen, Lindau zu rekatholisieren und st√§rker an √Ėsterreich zu binden.


1646/47 kommt es zur einzigen f√∂rmlichen Belagerung Lindaus w√§hrend des 30j√§hrigen Krieges (1618 - 1648). Schwedische Truppen versuchen die Stadt zu erobern, scheitern jedoch am Widerstand der B√ľrger und der kaiserlichen Besatzung unter dem Grafen Max Willibald Waldburg-Wolfegg, dessen Portrait ebenfalls an der S√ľdfassade des Alten Rathauses zu sehen ist. Lindau bleibt damit die Pl√ľnderung erspart.


1648 beendet der Westf√§lische Frieden den 30j√§hrigen Krieg. Von Neuem wird der Stadt Lindau ihre politische und konfessionelle Eigenst√§ndigkeit garantiert, die seit 1628 gef√§hrdet gewesen war. Die kaiserliche Garnison muss abziehen. Erfolge u.a. der Verhandlungen des Lindauers Valentin Heider, dessen Portraitmedaillon ebenfalls an der S√ľdfassade des Alten Rathauses angebracht ist.


1655 werden regelm√§√üige Schulpredigten eingef√ľhrt, um die Lindauer Bev√∂lkerung vom Sinn und Zweck des st√§dtischen Unterrichtswesens zu √ľberzeugen. Damit soll nicht zuletzt die Bereitschaft der Eltern erh√∂ht werden, ihre Kinder zu einem regelm√§√üigen Schulbesuch anzuhalten. Aus den Schulpredigten hat sich das Lindauer Kinderfest entwickelt.


1728 verw√ľstet ein Stadtbrand den Stiftsbezirk und angrenzende Stadtviertel. Nur die evangelische Stephanskirche bleibt verschont. Beim Wiederaufbau erhalten Stift, Stiftskirche und Markt (Haus zum Cavazzen = Stadtmuseum, Haus zum Baumgarten = Marktplatz 4) das barocke Gepr√§ge, das sie bis heute kennzeichnet.


ab dem Jahr 1800

1802 werden als Folge der Franz√∂sischen Revolution von 1789 alle Kl√∂ster und Reichsst√§dte aufgehoben. Die Stadt Lindau und die Besitzungen des Damenstiftes fallen an F√ľrst Karl August von Bretzenheim, dessen Schwester Friederike (1771-1816) die vorletzte, 1788-1796 amtierende √Ąbtissin des Stifts gewesen war.


1804 Lindau f√§llt an √Ėsterreich. Karl August von Bretzenheim hat seinen ungeliebten Besitz am Bodensee gegen G√ľter in Ungarn eingetauscht.


1805/06 muss √Ėsterreich nach einer Niederlage gegen Napoleon Lindau an den franz√∂sischen Bundesgenossen Bayern abtreten. Damit besitzt Bayern einen Zugang zum "Schw√§bischen Meer". Neu gebaut wurde die ‚ÄěMax-Josef-Kaserne‚Äú (Max-Kaserne) mit Hof zwischen den Fl√ľgeln zur Fischergasse hin.


1808/18 verliert die Inselstadt Lindau vor√ľbergehend ihr Landgebiet, das nun auf drei neue selbst√§ndigen Gemeinden Aeschach, Hoyren und Reutin verteilt wird.


1838 wird in Lindau das erste eiserne Dampfschiff auf dem Bodensee, die "Ludwig", in Dienst gestellt.


1842/47 erbaut der in Italien zu Verm√∂gen gekommene Lindauer Gro√ükaufmann F. Gruber am Schachener Seeufer die Lindenhofvilla. Dank zahlreicher Nachahmer, darunter die bayerische K√∂nigsfamilie, entwickelt sich bis zum Ersten Weltkrieg an der "Bayerischen Riviera" ein regelrechter Villeng√ľrtel, oft mit kleinen Privath√§fen.


1853/54 erreicht die Eisenbahn √ľber den damals errichteten Damm Lindau. Die Stadt ist Endpunkt der in Hof beginnenden bayerischen Nordost-S√ľdwest-Diagonalstrecke. Die ersten Hotelbauten entstehen in der N√§he des Bahnhofs.


1856 wird der neue Seehafen als Schnittstelle der damals modernsten Verkehrsmittel Dampfschiffahrt und Eisenbahn fertiggestellt.

ab dem Jahr 1900

1900, ein erstes Lindauer Elektrizitätswerk


1904 zieht das Militär in die neu errichtete, nach dem damaligen bayerischen Prinzregenten benannte Luitpoldkaserne auf der "Hinteren" bzw. westlichen Insel ein.


1921, Wolfram Geißler veröffentlicht den Roman "Der liebe Augustin". Dieses "Lindauer Nationalepos" lässt die letzten Jahrzehnte der Reichs- und die ersten Jahre der bayerischen Stadt Lindau lebendig werden.


1922 werden die 1808/18 abgetrennten Festlandsgemeinden Aeschach, Hoyren und Reutin wieder mit Lindau vereinigt.


1933 erh√§lt auch Lindau ein nationalsozialistisches Stadtregime. Oberb√ľrgermeister war damals bereits Ludwig Siebert, unter dem 1922 die Gemeinden Aeschach, Hoyren und Reutin im Stadtgebiet Lindaus aufgegangen waren. Siebert, erster NS-OB in Bayern, fungierte ab 1933 als bayrischer NS-Ministerpr√§sident.

Die Garnisonsstadt war f√ľr die Wehrmacht eine wichtige Pionier-Garnison; hier wurden mehrere Landungs-Pionier-Einheiten der deutschen Wehrmacht aufgestellt.


1945 besetzen am 30. April franz√∂sische Truppen kampflos die Stadt, die den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet √ľberstanden hat. Zusammen mit dem Landkreis Lindau dienen sie in den folgenden Jahren als Landbr√ľcke zwischen den franz√∂sischen Besatzungszonen in S√ľdwestdeutschland und in West√∂sterreich. Stadt und Landkreis Lindau werden damit vom √ľbrigen Bayern, das amerikanisch besetzt ist, abgetrennt. An der Spitze der zivilen Verwaltung steht ein Kreispr√§sident.


1950 rollt die erste Roulette-Kugel in der Lindauer Spielbank; die ersten Lindauer Psychotherapiewochen werden abgehalten.


1951 findet die erste Lindauer Nobelpreisträgertagung statt.


1951 beginnt Felix Wankel (1902 - 1988), der seit 1936 in Lindau lebt, mit der Entwicklung des nach ihm benannten Rotationskolben- (Drehkolben-) Motors. Seine 1962 in Bauhausmanier erbaute "Technische Entwicklungsstelle" (TES) im Stadtteil Zech (Fraunhofer Str. 10) steht seit 1999 unter Denkmalschutz.


1955 regelt die "Lex Lindau" die R√ľckgliederung des "Landkreisstaats" Lindau nach Bayern, die 1956 abgeschlossen ist.


1963 kommt es im Winter zur bislang letzten "Seegfrörne"


1964 begr√ľnden Lindau und die franz√∂sische Stadt Chelles bei Paris eine St√§dtepartnerschaft

ab dem Jahr 1970

1973 wird der erste Teil der Lindauer Fußgängerzone eingeweiht.


1975 geht die Luitpoldkaserne auf der Hinteren Insel nach Abzug der Garnison in st√§dtischen Besitz √ľber.


1976 vergrößert sich Lindau durch die Eingemeindung von Reitnau, das erstmals 805 urkundlich erwähnt worden ist.


1981 können die Lindauer mit der neuen Inselhalle ein modernes Tagungs- und Veranstaltungszentrum nutzen.


1987 st√ľrzt in der katholischen Stiftskirche die Stuckdecke in das Schiff herunter. Sie wird in den folgenden Jahren in m√ľhevoller Kleinarbeit wiederhergestellt.


1994 nimmt das neue Stadtbussystem seinen Betrieb auf. Die Initiative wird von dem neuen OB J√ľrgen M√ľller gef√∂rdert.


1998, Klärwerk fertiggestellt


1999 sucht an Pfingsten ein Jahrhunderthochwasser die Inselstadt heim, das Erinnerungen an ähnliche bzw. stärkere Katastrophen in der Vergangenheit (z. Bsp. 1817) wachruft.


2000 werden die Neubauten der Seebr√ľcke und der Spielbank fertiggestellt.

Die Psychotherapeuten und die Nobelpreisträger treffen sich zum 50. Mal in Lindau (B),
die Lindauer Marionettenoper wird ins Leben gerufen
in Reutin entsteht am Kreisel ein modernes Einkaufszentrum (‚ÄěLindaupark").


2002 Nach zweijähriger Sanierung wird aus der ehemaligen Luitpoldkaserne das Wirtschafts- und Bildungszentrum Luitpoldpark


2003, in unmittelbarer Nachbarschaft des Luitpold-Parks wird der Neubau der Bodensee-Klinik f√ľr √§sthetische Chirurgie (Prof. Dr. Dr. Werner Mang) fertiggestellt.


2004, die bereits 1946 von der franz√∂sischen Besatzungsmacht gegr√ľndete Industrie- und Handelskammer Lindau-Bodensee und diejenige f√ľr Augsburg und Schwaben schlie√üen sich zur IHK Schwaben zusammen.


Erstmals l√§dt das Kuratorium f√ľr die Lindauer Nobelpreistr√§gertagungen auch die Laureaten der Wirtschaftswissenschaften zu einem Treffen ein, das k√ľnftig alle zwei Jahre stattfinden soll.

Weblinks

Siehe auch





Whos here now:   Members 0   Guests 0   Bots & Crawlers 1