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4. Gab es vor oder während des Besuchs Vorbehalte in der Schweizer Bevölkerung gegen den Besuch der Kinder?

Aus Bürgerwiki Bodensee

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Wenn man sich den Weg zum Besuch der deutschen Kinder im Schweizerischen Arbon aus Sicht der Schweizer Bevölkerung sieht, so gleicht es doch fast einem Wunder, dass die Schweizer die jahrelange Bedrohung durch das Nazireich (kurzzeitig) vergessen konnten und die Kinder zu ihnen nach Hause einluden.


Eine große Rolle spielt sicherlich die Organisation des Besuchs durch Geistliche, die es schafften nicht die Nationalität, sondern die Religion der Besucher in den Vordergrund zu stellen. Hier halfen nicht Schweizer Deutschen, sondern Christen halfen Christen.[1] So wandte sich Pfarrer Rohrer aus Arbon nicht an die Stadtoberen, als er den Besuch organisierte, sondern an seinen Amtskollegen Schmid, und dieser wandte sich an die Schüler der evangelischen Schule, was den kirchlichen Hintergrund wahrte. Man könnte natürlich einwenden, weshalb sich der erste Besuch nur auf evangelische Kinder beschränkte und die katholisch-gläubige Mehrheit an Schülern ausschloss. Dies lässt sich jedoch leicht nachvollziehen, da die Gräben zwischen den beiden Konfessionen noch viel tiefer waren als zur heutigen Zeit. Auch wenn der Begriff der Ökumene schon existierte, wurde er jedoch nicht gelebt, was bedeutet, dass zu jener Zeit weder ein gemeinsamer Gottesdienst, noch eine gemeinsame Reise in die Schweiz unter der Flagge beider Kirchen möglich gewesen wäre.


Weiterhin spürten die meisten Schweizer keinen Hass gegen die Deutschen, denn auch die Schweizer wurden in den Bombennächten aus den Betten gerissen und jedermann beobachtete von der anderen Seeseite, wie Feuerwände vom Himmel abgeworfen wurden und die Stadt auf der anderen Seite erschütterten und in Brand setzten. Schon hier war die Anzahl derjenigen die für die Glaubensbrüder in den deutschen Gemeinden beteten, größer als die derjenigen, die den Bombenangriff als gerechte Strafe empfanden. Dies lag nicht nur an den verwandtschaftlichen Verhältnissen, die über die Grenzen hinweg bestanden, sondern auch an der gemeinsamen Vergangenheit, die beide Völker als Alemannen teilten.[2]


Die allerletzten Zweifel gegenüber dem Besuch deutschen Kindern wurden dann spätestens bei deren Ankunft beseitigt. Hier wurde auch den Letzten klar, dass die Kinder keinerlei Schuld am Naziterror hatten und trotzdem unter den Folgen der Bombardierung zu leiden hatten. Dies begründet nicht nur die spätere Ausweitung der „Schweizer Kinderschiffe“ auf katholische Kinder und die umliegenden Gemeinden bis nach Ravensburg, sondern auch die bis in die 50er Jahre fortlaufenden privaten Spenden für das zerstörte Friedrichshafen und seine Bewohner.

Quellen und Verweise

  1. Vgl. Interview mit Kurt Linse
  2. Vgl. Nagler, Hildegard, Das Wunder einer Reise-Die Schweizer Kinder und ihre Fahrt ins Märchenland, Juni 2003, S. 67.



Beitrag des Graf Zeppelin Gymnasiums: Schweizer Kinderschiffe





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